Der Billettautomat stirbt aus

5. März 2016

Mir­jam Com­tesse, Ber­ner Zei­tung

Die SBB wol­len ihr Ti­cke­ting-Sys­tem re­vo­lu­tio­nie­ren: Der Kun­de soll künf­tig erst nach dem Zug­fah­ren be­zah­len.

Bil­let­te zu lö­sen, dürf­te in nicht all­zu fer­ner Zu­kunft passé sein. Dar­in zeig­ten sich SBB, BLS und Süd­ost­bahn die­se Wo­che an der Bran­chen­ta­gung zur «ÖV-Mo­bi­li­tät der Zu­kunft» ei­nig. Jean­ni­ne Pill­oud, Che­fin Per­so­nen­ver­kehr bei den SBB, er­klär­te, wie sie sich das Rei­sen in zehn Jah­ren vor­stellt: «Ein­zel­rei­sen müs­sen so be­quem wer­den wie heu­te Fahr­ten mit ei­nem Ge­ne­ral­abon­ne­ment», sag­te sie.

Viel­leicht schon ab 2020

Das heisst, Kun­den sol­len ein­fach los­fah­ren kön­nen, oh­ne zu­erst ein Ti­cket zu kau­fen. Da­für müss­ten al­ler­dings zu­erst al­le Zü­ge und öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel mit Sen­so­ren aus­ge­rüs­tet sein, die re­gis­trie­ren, wenn je­mand ein- oder aus­steigt. Im Fach­jar­gon spricht man von ei­nem Bi­bo-Sys­tem («be in, be out»). Da­mit set­zen die SBB auf ei­ne an­de­re Tech­no­lo­gie als die BLS, die ge­rade ei­ne App tes­tet, die nach dem Ci­co-Prin­zip funk­tio­niert («check in, check-out»). «Das Pro­blem bei die­ser Lö­sung ist, dass ei­ni­ge Kun­den viel­leicht ver­ges­sen aus­zuch­ecken und am En­de ei­ne zu teu­re Rech­nung er­hal­ten», sag­te Jean­ni­ne Pill­oud.

Die gröss­te Her­aus­for­de­rung sei, dass man für die Be­rech­nung der Prei­se die Fahr­ten der Pas­sagiere zu­rück­ver­fol­gen müs­se. «Für das da­für nö­ti­ge Tracking müss­te erst die ge­setz­li­che Grund­la­ge ge­schaf­fen wer­den», sag­te die Per­so­nen­ver­kehr­s­che­fin. Der Kun­de wür­de ei­ne elek­tro­ni­sche Ab­rech­nung er­hal­ten. Dar­auf wür­de er auch er­fah­ren, wie viel Ra­batt er al­len­falls er­hält, wenn er im ak­tu­el­len Mo­nat bei­spiels­wei­se für wei­te­re 100 Fran­ken Bahn fährt. Zu­dem gä­be es ei­ne Ober­gren­ze: «Egal, wie viel je­mand fährt, er muss nie mehr zah­len, als es dem Wert des GA ent­spricht.»

Das neue Sys­tem wol­le man bis spä­tes­tens 2025 ein­füh­ren, «viel­leicht aber auch schon 2020». Als Chip­kar­te, wel­che die Fahr­gäs­te auf sich tra­gen, soll der be­reits exis­tie­ren­de Swiss Pass die­nen. Jean­ni­ne Pill­oud be­ton­te aber, dass al­le, die her­kömm­li­che Bil­let­te lö­sen wol­len, dies auch künf­tig noch kön­nen.

SOB ei­nen Schritt vor­aus

Dem Di­rek­tor der Schwei­ze­ri­schen Süd­ost­bahn (SOB), Tho­mas Küch­ler, geht dies al­les zu we­nig schnell. Er er­klär­te am Frei­tag an der ÖV-Ta­gung, die SOB wol­le be­reits En­de Jahr ein Bi­bo-Sys­tem be­trei­ben. Zur­zeit lau­fe ein Pi­lot­pro­jekt mit dem Vor­al­pen-Ex­press, der Lu­zern und St. Gal­len mit­ein­an­der ver­bin­det.

Er be­ton­te, der In­stal­la­ti­ons­auf­wand für die Sen­so­ren, wel­che das Ein- und Aus­stei­gen regis­trieren, wer­de lau­fend güns­ti­ger, da sich die Tech­no­lo­gie wei­ter­ent­wick­le. Er schät­ze die ge­samt­schwei­ze­ri­schen Kos­ten auf ei­ne «zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­zahl».

GA dürf­te bald mehr kos­ten

Auch ihr Ta­rif­sys­tem wol­len die SBB an­pas­sen. Wie be­reits be­kannt, plä­diert der Ver­band öf­fent­li­cher Ver­kehr (VÖV) da­für, die Bil­lett- und Abo­prei­se mit dem nächs­ten Fahr­plan­wech­sel im Schnitt um drei Pro­zent an­zuheben. Jean­ni­ne Pill­oud führ­te aus, wel­che Vor­schlä­ge die Bran­che dem Preis­über­wa­cher un­ter­brei­tet hat: «Beim Halb­tax soll es ge­mäss den ur­sprüng­li­chen Plä­nen des Preis­über­wa­chers kei­ne Stei­ge­rung ge­ben, der Nor­mal­ta­rif soll nur un­ter­durch­schnitt­lich er­höht wer­den.» Wer Ein­zel­fahr­ten bucht, soll al­so nur leicht mehr zah­len. In der Fol­ge müss­te das GA um mehr als drei Pro­zent auf­schla­gen. Dies ent­spricht dem Ziel der Bran­che, Pend­ler, die heu­te am meis­ten pro­fi­tie­ren, mehr zah­len zu las­sen und da­für Frei­zeit­rei­sen­de zu ent­las­ten. Die Hoff­nung ist un­ter an­de­rem, dass so mehr Leu­te zu den Ne­ben­ver­kehrs­zei­ten rei­sen.

«Mit dem Fahr­plan­wech­sel 2017 wol­len wir dann Spar­bil­let­te 2.0 ein­füh­ren», sag­te Jean­ni­ne Pill­oud. Das be­deu­tet, dass die ver­güns­tig­ten An­ge­bo­te für mehr Stre­cken er­hält­lich sein wer­den. Und En­de 2018 wol­le die Bran­che die Prei­se sai­so­nal und nach Stre­cke dif­fe­ren­zie­ren. Ge­wis­se Stre­cken könn­ten so je nach Jah­res­zeit mehr oder we­ni­ger kos­ten.

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